Falk Kuhfuhs führt in die Geschichte der Miasmatik ein, erläutert ein dynamisches Miasmenmodell und die unterschiedlichen Schichten der Krankheitstiefe. Danach wendet er sich der Psora zu, dem Hahnemannschen Urmiasma. Für Hahnemann waren 80% der Krankheiten psorisch begründet. Kuhfuhs geht ausführlich auf die Hauptmerkmale und Themen der Psora ein und schafft einen ersten Überblick, worum es bei diesem Miasma geht und woran es zu erkennen ist.
Michael Antoni räumt zu Beginn seines astrologisch orientierten Vortrags zu den Miasmen allgemein und speziell zur Psora ein, dass die Erkenntnis hier noch ganz am Anfang steht. Ein interessanter Abriss über das Planetenthema Saturn ("das große Übel")
bietet eine erste Annäherung an die Miasmatik aus astrologischer Perspektive. Dabei spielt für den Menschen (als Spezies und als Individuum) das saturnische Thema "in der (eigenen) Ordnung sein" oder "aus der Ordnung fallen / Grenzen einhalten oder überschreiten" eine besondere Rolle. Die miasmatische Kernfrage ist: was ist das Essenzielle/Wesentliche für mich als Individuum? Und wie habe ich mich davon entfernt?
Andreas Krüger fasst sein Verständnis der Psora im Thema "Unterdrückung des Lebendigen" (Antibiose) zusammen: "Wenn wir der Lebenskraft viel Raum geben, in den hinein sie sich entwickeln kann, macht sie schon von selbst alles richtig". Von diesem Grundverständnis aus leitet er dann zum praktischen Hauptteil des Seminars über, in dem große und kleine psorische Arzneien vorgestellt werden. Er gibt zunächst einen Überblick über die wichtigsten Antipsorika. Es folgen - aus der Perspektive des Miasmas - praktische Erfahrungen mit Sulfur und der Nosode Psorinum, mit Leitsymptomen, die vor allem den psorischen Kontext erhellen.
Rayk Schörling und Anne Uhlemann stellen am Ende zwei Akutmittel (Belladonna und Aconit) und drei neuere Mittel aus dem psorischen Umfeld vor, Fagopyrum (latente Psora) und Skookumchuck ("starkes Wasser" aus einem Fluss in den USA) sowie Saxonit (ein Mineral).
Ein schöner und gelungener Auftakt der Reihe, der die TeilnehmerInnen begeisterte und neugierig macht auf die weiteren Miasmen-Sonntage, die diesem folgen.
Hahnemanns Miasmentheorie zufolge ist die Psora die "wahre Grund-Ursache und Erzeugerin fast aller übrigen, häufigen unzähligen Krankheits-Formen". Folgerichtig sollte sie auch für angehende oder bereits praktizierende Homöopathen von zentraler Bedeutung sein.
In der Psora begegnet uns ein geradezu kindlich-kreatives Miasma. Angesichts der Rastlosigkeit des Alltags stellt sie die Frage nach dem Wesentlichen und weist so auf eine neue Lebensqualität mit einfachen Lösungen. Denn während die Sykose sich windet und dreht, ist die Antwort der Psora ein schlichtes Nein. Und den hochgesteckten Ansprüchen der Syphilinie und dem Altruismus der Karzinogenie stehen in der Psora die befreiende Erkenntnis und Annahme der eigenen Unvollkommenheit gegenüber.
Lebendig und leicht verständlich vermittelt Dr. Beate Latour im siebten und letzten Teil ihrer Miasmenreihe die Essenz der Psora. Auf der Miasmatik nach Gienow, Sankaran und Sonnenschmidt aufbauend, nimmt sie eine Fülle eigener Erfahrungen und Gedanken mit in die Betrachtung. Zunächst wiederholt sie die Hauptarzneien der einzelnen Miasmen und erörtert deren Dynamik im Heilungsverlauf von der Karzinogenie zur Psora. Für eine zügige und erfolgreiche Behandlung chronischer Beschwerden ist, neben der Mittelwahl, daher besonders auch der richtige Zeitpunkt entscheidend.
Im Weiteren berichtet die Referentin von ihren eigenen Erlebnissen auf dem Weg in die Psora und führt aus, welche Bewusstseinsprozesse sich dabei vollzogen. Die Psora führt in die Erkenntnis, nicht alle Erwartungen erfüllen zu müssen.
Aufgaben dürfen abgegeben werden, damit eigene Wünsche in den Vordergrund rücken können - doch nicht als maßloser Egoismus oder Dreistigkeit eines psorisch kranken Menschen, sondern indem wir auf uns hören und zu unseren Eigenarten stehen. Das lässt uns dann sowohl entspannt als auch verantwortlich handeln.
Auf dem Heilweg in die Psora (dem relativ gesündesten Miasma) kommen wir allerdings auch immer wieder mit unserem Über-Ich in Konflikt. Es drängt uns zur Überlastung und Aufopferung und begegnet uns in Form missgünstiger Äußerungen anderer oder als Selbstzweifel. Verleugnen wir unsere innere Psora jedoch, wird es fast unmöglich, Grenzen zu setzen, und wir reiben uns auf. Der psorisch kranke Mensch soll daher lernen, erwachsen zu werden, Verantwortung zu übernehmen und das Leben als solches anzunehmen.
Kinder geben uns die Chance, unsere eigene Psora zu heilen, indem sie uns mit ihrem unbedingten Willen oder ihrem fehlenden Sauberkeitsbedürfnis konfrontieren. Anschaulich beschreibt Latour wie ein Kind gesund heranwachsen kann und was nötig oder wünschenswert wäre, um eine optimale Entwicklung zu unterstützen. Und sie benennt Umstände, unter denen es sich in Richtung Tuberkulinie oder Sykose bewegen kann.
Mit der Geburt fallen wir gleichsam aus dem Paradies in ein unbestimmtes Leben. Ignatia könnte hier z. B. eine passende Arznei sein, um den Hunger nach emotionalem Halt und Trost zu stillen. Die Referentin vermittelt eindringlich und nachvollziehbar, was Kinder brauchen, um sich im Leben gehalten zu fühlen, und wie sie andererseits auf missgünstige Reize reagieren und daran erkranken können.
Lachend - vor allem über sich selbst - kann es dann mit neuen Ideen ins Leben gehen.
Ein vielseitiges Seminar moderner Miasmatik, das uns die Psora nicht nur symptomatisch, sondern als Basis aller Miasmen und chronischen Krankheiten verständlich macht.
Aus: Latour, Beate: Psora. Ein Weg durch die Miasmen VII (LA-2127)
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